Die Île de Sein liegt acht Kilometer vor der Pointe du Raz im äußersten Westen der Bretagne. Die Fähre von BreizhGo Penn Ar Bed startet in Audierne (Anleger Sainte-Evette) und braucht rund 1 Stunde; gefahren wird ganzjährig, bei Sturm ab Douarnenez. Die Insel ist autofrei, nur wenige Meter hoch und als eine von fünf Gemeinden Frankreichs Compagnon de la Libération.

Es gibt Inseln, die beeindrucken mit Klippen. Die Île de Sein beeindruckt mit dem Gegenteil: Sie liegt so flach im Atlantik, dass man vom Boot aus zuerst nur die Leuchttürme und den Kirchturm sieht – und sich fragt, wo eigentlich die Insel ist. Wer hier lebt, hat einen Vertrag mit dem Meer. Das spürst du in jeder Gasse.

Île de Sein auf einen Blick

  • Fähre: ab Audierne (Sainte-Evette), ca. 1 Std., ganzjährig
  • Betreiber: BreizhGo Penn Ar Bed
  • Bei Sturm: Abfahrt ab Douarnenez (ca. 2 Std.)
  • Saisonal: zusätzliche Abfahrten ab Brest und Camaret
  • Höhe: nur wenige Meter über dem Meer
  • Vor Ort: alles zu Fuß – autofrei, Räder braucht hier niemand

Die Überfahrt ab Audierne

Die Fähre legt am Anleger Sainte-Evette ab, drei Kilometer vom Ortskern von Audierne. Rund eine Stunde dauert die Fahrt durch den Raz de Sein – eine der berüchtigtsten Meerengen der Bretagne. Bei ruhiger See ist das ein Panorama-Trip entlang der Pointe du Raz. Bei Wind merkst du, warum die Seeleute hier seit Jahrhunderten Respekt haben: Dann weicht das Schiff auf den geschützteren Start in Douarnenez aus, und die Fahrt dauert zwei Stunden.

Die Preise richten sich nach der Saison, die einfache Fahrt kostet die Hälfte der Hin- und Rückfahrt. Aktuelle Tarife und Tickets gibt es direkt bei Penn Ar Bed – im Juli und August unbedingt vorab buchen, die Boote sind schnell voll.

Mein Tipp

Wenn du zu Seekrankheit neigst, wirf vor der Buchung einen Blick auf den Wind. Der Raz de Sein verzeiht nichts – bei kräftigem Westwind wird aus der Stunde Überfahrt eine Achterbahn. An ruhigen Sommertagen dagegen: eine der schönsten Anfahrten der Bretagne.

Was dich auf Sein erwartet

Der Ort drängt sich um den kleinen Hafen: Häuser in Weiß und Grau, Gassen, die so schmal sind, dass sie den Wind aussperren – und Türen in Blau, das hier kein Deko-Klischee ist, sondern Tradition. Zwei Crêperien, eine Kirche, ein Museum. Danach übernimmt die Natur: Der Weg nach Westen führt am Leuchtturm Goulenez vorbei bis zur Inselspitze, von der du bei klarer Sicht den legendären Offshore-Leuchtturm Ar Men draußen in der Brandung erkennst.

Und dann ist da die Geschichte, die diese Insel größer macht als ihre Landfläche: Im Juni 1940, nach de Gaulles Aufruf aus London, setzten praktisch alle Männer der Insel nach England über, um weiterzukämpfen. Als de Gaulle die ersten Freiwilligen musterte, war ein Viertel von ihnen von dieser einen winzigen Insel. Sein wurde dafür als eine von nur fünf Gemeinden Frankreichs zum Compagnon de la Libération ernannt – das Denkmal am Ortsrand erinnert daran.

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